| Sonntag, den 27. März 2011 um 11:01 Uhr |
|
Reporter ohne Grenzen lässt sich vor den OMV-Karren spannen. Organisationen, die vorgeben neutral, unabhängig und vor allem unbestechlich zu sein, dürfen sich nicht über große Einzelsponsoren in eine finanzielle Abhängigkeit begeben. ![]() Das wäre eigentlich logisch. Nicht so für die Organisation "Reporter ohne Grenzen", die sich auf die Fahne geschrieben hat, die unbehelligte und unzensierte Berichterstattung vor allem aus Krisengebieten zu unterstützen. Als einer der Hauptgeldgeber des Vereins präsentiert sich der halbstaatliche, österreichische OMV-Konzern, der zwar zu 31,5 % der österreichischen Staatsholding ÖIAG gehört, aber eben auch zu 17,6% der International Petroleum Investment Company (IPIC), die ihren Sitz in Abu Dhabi hat - einem Land, das sich nicht gerade durch demokratische Strukturen hervortut. Abgesehen davon, dass international agierende Konzerne in erster Linie ihre Machtausdehnung im Auge haben und als Aktiengesellschaft vierteljährlich monetäre Erfolgsmeldungen für ihre Shareholder auftischen müssen, ist es für die Glaubhaftigkeit einer Organisation meines Erachtens ein absoluter Fehltritt, mit einem solchen Konzern eine Partnerschaft einzugehen. Früher oder später werden sich Interessenskonflikte auftun, wenn z.B. ein engagierter Journalist über das Engagement der OMV beim Pipeline-Projekt Nabucco berichtet und dabei auch jene Aspekte kund tut, die eben nicht in die Jahresbilanz-Broschüre des Öl-Konzerns passen. Nämlich die Paktiererei und "strategische" Zusammenarbeit mit menschenverachtenden Regimen (Beispiel Gaddafi passt da ebenso rein). Oder wenn es in Abu Dhabi - dem Heimatland des größten Einzelaktionärs neben der ÖIAG ebenfalls zu Volksaufständen wie im restlichen arabischen Raum kommt, und ein Reporter darüber kritisch berichtet. Spätestens dann werden sich die Reporter ohne Grenzen entscheiden müssen, ob Sie im Interesse ihres Hauptsponsors das Thema fallenlassen oder mutig jene Journalisten unterstützen, die das aufs Tablett bringen. Auslöser für mein Nachdenken über dieses Thema war nachfolgende Anzeige im Wirtschaftsblatt vom Dez. 2010: ![]() Mein Unverständnis über die Zusammenarbeit mit der OMV habe ich dem Verein in nachfolgend wiedergegebenem E-Mail kundgetan. Falls es eine Antwort darauf gibt, werde ich diese an dieser Stelle natürlich ebenso veröffentlichen: hallo rog-team, dass eine organisation wie eure sponsoren braucht ist klar. aber muss man denen dann auch noch erlauben, sich mit hilfe von euch ein "weißes mäntelchen" anzuziehen. biespiel omv. ich hab die anzeige mit der großen weißen freifläche und der headline "raum für kritik jeder art" im wirtschaftsblatt vom 10. dez. 2010 kürzlich erst über umwege in die finger bekommen. und war eigentlich entsetzt. der omv-konzern, dessen mehrheitsgesellschafter sich ja nicht unbedingt durch demokratische spielregeln und pressefreiheit auszeichnet und der deshalb wahrscheinlich keinerlei probleme hat, mit anderen diktatoren wie gaddafi zusammenzuarbeiten ist meines erachtens eine denkbar schlechte wahl als sponsor. lasst euch nicht kaufen und von diesen konzernen vor den wagen spannen. franz kuttelwascher |


